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“Sicherheit im Nacken” – Diakon- und Subdiakonweihe am 02. Juli 2016

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Ein Bericht von Diakon Daniel Becker

Für viele Menschen, die in der Römischen oder Alt-Katholischen Kirche in den Stand der Geistlichkeit aufgenommen werden, ist in unseren Zeiten der Diakon die erste Stufe der Entwicklung. In der Liberal-Katholischen Kirche ist dieser Grad jedoch die Konsequenz vorangeschrittener Einweihungsstufen; Kleriker, Ostearius, Lector, Lautus, Akolyth und Subdiakon sind diese Stufen, die jeweils eigene Qualitäten, Aufgaben und Verantwortungen beinhalten. Jede Phase kann unter Umständen Auswirkungen auf die jeweilige Biographie haben und den Menschen auf die Probe stellen oder bestenfalls in der Entscheidung für den Schulungsweg bestätigen.

 

 

Keine Weihezeremonie hat mich persönlich bislang so gestärkt und mir neue Kraft geschenkt wie die Subdiakon- und Diakonweihe (zwei Weihen innerhalb eines Gottesdienstes); keine Zeremonie ist bislang so figurativ einschneidend in meinem Leben gewesen, wie diese. Denn der Mensch, der sich dem Bischof zur Weihe vorstellt, wirft sich in der sogenannten Prostratio vor dem Altar und dem Göttlichen buchstäblich zu Boden.

 

 

Für viele Menschen wirkt dieses lange Liegen auf dem Boden der Kirche wie eine Erniedrigung im negativen Sinne. Doch liegt es anders: Der Energiestrom von Liebe und Kraft, der vom Altar über den Bischof fließt, trifft sich mit dem liebevollen Litanei-Gesang der Gemeinde über dem Weihekandidaten. Ich persönlich fühlte diese beiden Strömungen über meinen Rücken und vom Kopf aus im Nacken zusammenfließen. Wie zwei Wellen, die aufeinanderschlugen. Es war jedoch nicht unangenehm, sondern eher deutlich formgebend. Die Last eines Lebens auf den Schultern des Menschen und gleichzeitig das Kreuz des Heils, das seinen Mittelpunkt im Schnittpunkt der Vertikale und Horizontale hat, war für mich sozusagen als Gedankenform in dieser Phase des Weihegeschehens physisch spürbar. Hier und jetzt war für mich klar, dass ich an diese Stelle gehöre, vor den Thron unseres Herrn mit der besonderen Aufgabe, die ich bereit bin mit meiner Lebendigkeit, meinem Denken, Fühlen und Wollen zu bestätigen und mich in die Reihe der vielen Diakone des irdischen Zeitenlaufes einzureihen.

 

 

Es mag vielleicht eigenartig klingen, aber für mich war und ist dieser Teil der Weihe der bedeutendste, denn in dieser Form der Gebets- und Empfangshaltung befindet man sich so gut wie nie im Sanktuarium einer Kirche. Und genau an diesem Punkt wird spürbar, dass sich etwas zunächst Unsichtbares zuträgt zwischen der Gemeinde, dem Klerus, den Geistlichen und den Altar als Schnittpunkt der Welten. Diese Erkenntnis schafft Raum, um das Prinzip des feinstofflichen eucharistischen Tempelbaus zu erkennen, wie es C.W. Leadbeater beschrieben hat.

 

 

Liturgie und Ritualkunst schaffen nicht nur für das Auge sichtbare Formen und bleibende Gedankenmodelle, sondern erstrahlen über den Menschen und können ihn sehr fein transformieren. Es werden Fähigkeiten geschaffen für das Erfassen der feinstofflichen Welten, die uns allerorts umgeben.

 

 

Und so wurde der Impuls stärker und umfänglicher im weiteren Gang durch die Zeremonie, die Datenschutz und mich durch den Grad des Subdiakons hin zum Diakon führte. In den Momenten der Handauflegungen erfüllte mich stärkende Substanz, die mich so anfüllte als wäre ich eine Gussform. Meine Biographie ist sozusagen das Negativ für diese Substanz, die nun das Gefäß findet und zum Positiv wird. Aber ich fühle mich nun nicht überfüllt oder beschwert, sondern ergänzt und gestärkt. Es ist zu vergleichen mit der Umarmung einer Mutter oder eines Vaters, die/der während der Umarmung sagt: Es ist gut so, wie du es gemacht hast, ich bin stolz auf dich, gehe deinen Weg weiter, denn ich weiß, dein Herz weißt dir den Weg – gehe mit dieser Sonne, dann wirst du dich nicht verirren.

 

 

Die vielen Gottesdienstteilnehmer, die wieder von weit her aus den Niederlanden, Luxemburg und dem Saarland angereist waren, halfen, den Energiestrom zu verstärken und ein kraftvolles feinstoffliches Licht erstrahlen zu lassen. Für mich war es der innerlich hellste Gottesdienst in der Geschichte der Gemeinde St. Chamuel, denn nie zuvor war die Konzentration der teilhabenden Menschen so hoch. Alles war getragen von Wohlmeinen und liebevoller Hilfestellung. Zufällig fand parallel zu unserem Fest auch das Sommerfest des im gegenüberliegenden Gebäude ansässigen Jugend- und Familienzentrums statt. Und so drangen Kinderstimmen und Musik uns entgegen als die Gemeinde den zweiten Teil des Tages begann. Meine ältere Tochter Mathilda spielte für uns viele Stücke auf ihrer Geige, während wir auf die indischen Speisen warteten, und die Sonne brach schließlich durch die Wolken dieses wechselhaften Sommers.

 

Gemeinsames Essen nach dem Gottesdienst