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Weiheerlebnis – ein persönlicher Bericht

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Weihen zum Lautus und Akolyth von Daniel Becker
durch Bischof Evert Sundien am 17. April 2016

 

Die Geister scheiden – ja, mit diesem Thema musste ich mich gezwungenermaßen schon in der Zeit vor meiner Weihe beschäftigen. Mein Begleiter und Ausbilder VRev. Datenschutz bereitete mich schon vor den Weihen zum Klerk, Ostearius und Lector intensiv auf die möglichen äußeren und inneren Ereignisse vor. Und es trugen sich tatsächlich wenige Stunden, nachdem Bischof Evert Sundien seine Hände auf mich legte Dinge zu, die mich als Lector auf die Probe stellen sollten. Einflüsse von anderen Menschen zwangen mich, genau zwischen seelischen und intellektuellen Impulse zu unterscheiden, um ausgewogen reagieren zu können. Sicherlich ist das etwas, das nicht nur Lectoren der Liberal-Katholischen Kirche widerfährt, doch wird man zunehmend sensibel für die Einflüsse und Gedanken anderer Menschen und Wesenheiten in einer ganz besonderen Weise, die sich vom alltäglichen Lebensvollzug unterscheidet. Die Weihen im vergangenen Jahr halfen mir in meiner Konzentration und stärkten meine seelischen Widerstandskräfte. Das erfuhr ich auch zunehmend in der Liturgie. Die Handlungen füllten sich mehr und mehr mit Bedeutung und gedanklicher Form.

Als sich die Weihen zum Lautus und Akolyth  näherten, und hier spreche ich von einem Vorlauf von etwa vier Monaten, zeigten sich im beruflichen und privaten Umfeld intensive Phasen, in denen ich mit viel Gedankenkraft und Klarheit der mentalen Leiber untersuchen, analysieren, beurteilen und folgenreich entscheiden musste. Ich habe den Eindruck, dass das feinstofflich geformte Schwert des Lautus mich bereits begleitete. Denn meine Gedankenlinien und deren sprachliche und tätliche Umsetzung fielen mir jetzt leichter, als in den Jahren zuvor, in denen ich zwar religiös geforscht hatte, jedoch nicht im Vorgefühl einer solchen Initiation war. Nun wirkten sich die Konsequenzen von Entscheidungen, die ich traf so aus, wie ich sie mir im Vorfeld vor die Seele geführt hatte. Das war völlig neu.

 

 

Wenn im Pater noster der Name des Vaters geheiligt wird, huldigt man einem göttlichen Programm. Analog könnte man sagen, dass, wenn man sich dem Programm des Lautusen zuwendet und man eben diesen den Titel oder Namen tragen wird, das Programm bereits aktiviert ist. Ich glaube, es war auch in meinem Fall so. Nun wurde entschieden, dass sofort im Anschluss an die Weihe zum Lautusen auch die des Akolythen folgen sollte. Und auch hier bin ich der Überzeugung, dass gleichwohl das Programm des Akolythen bereits eine Weile zuvor aktiviert war. Denn mit jedem Scheideweg, den ich wählte, nahmen die Klarheit der Gedanken und die Tiefe der Einsicht zu. Ich beschreibe hier keine meditativen Ereignisse oder abstrakten Konzentrationsübungen, sondern berichte von Geschehnissen aus dem beruflichen Alltag, der Familie und dem Freundeskreis.

Man sagt, dass mit neuen Fähigkeiten neue Verantwortung und Pflichten einhergehen. Über die Lasten lohnt es nicht, zu klagen. Doch lohnt es sich umso mehr davon zu erzählen, wie wunderbar es ist zu erfahren, wenn das innere Bild, das man von sich hat in der äußeren Welt sichtbarer und erfahrbarer für andere wird. Ich glaube, das ist Teil des Schulungsweges, der durch die niederen Weihen führt. Aus diesem Grund sind diese Weihengrade (Klerk, Ostearius, Lector, Lautus und Akolyth) so wichtig, wenn man sich auf ein geistliches Amt vorbereitet. Man muss sich die Frage stellen, ob man aus der nicht immer ungemütlichen Dumpfheit des modernen Menschen heraustreten will. Die Sensibilität nimmt zu, und nicht selten auch körperliche Reaktionen. Ich für meinen Teil kann sagen: Es lohnt sich, weil man die Chance hat, das Menschsein bewusster zu ergreifen.

Da ich die Situation einer Ordination ja bereits aus dem vorangegangenen Jahr kannte, freute ich mich auf die Warmherzigkeit unseres Bischofs Evert Sundien, der wieder aus Stockholm nach Bonn anreiste. Mich sollte ein Weihetext in englischer Sprache erwarten, da Bischof Evert zwar vertraut mit der deutschen Sprache ist, jedoch natürlicher mit den liturgischen Texten auf Englisch umgehen kann. Mir persönlich gefiel dieser Modus, wenn auch unsere Gäste zunächst über den plötzlichen Sprachwechsel verwundert waren. Meine Mutter fragte mich dann im Anschluss an die Eucharistiefeier, ob ich nochmal auf Deutsch erklären könne, was ich denn jetzt so neuerdings im Sanktuarium zu tun hätte. Für römische Katholiken steht der Akolyth ja lediglich im äußeren und funktionalen Zusammenhang mit den kerzentragenden Ministranten, die heutzutage keine feinstoffliche Aufgabe mehr in der Liturgie haben, sondern lediglich operative Altardiener sind und nicht ordiniert werden. Mit dem Lautus ist es außerhalb von Horrorfilmen dann mit dem Wissen nicht weit her, und man muss sehr viel erklären, um Menschen, die sich nicht mit dem feinstofflichen Aspekt der Liturgie beschäftigen, nicht völlig verschreckt zu lassen. Bis auf meine Schwiegermutter konnte ich bislang alle Fragenden beruhigen.

 

 

Das Ereignis der Handauflegung ist, soweit ich es nun nach fünf Weihen berichten kann, jedes Mal ein anderes. Gemessen an den körperlichen Reaktionen, den Gefühlsregungen und den aufsteigenden Bildern schließe ich, dass tatsächlich die Leiber des Menschen in je anderer Form energetisch durchströmt werden. Ich entschied mich auch dieses Mal, die Augen zu schließen und den äußeren Reizen weniger Aufmerksamkeit zu schenken. Die Tatsache zum Beispiel, dass meine Tochter Mathilda, die mit ihren sechs Jahren zwar noch klein ist, aber bereits sehr konzentriert ihren Dienst als Messdienerin vollzieht, während des Ereignisses direkt neben mir stand, realisierte ich erst, als ich später die Fotos ansah. In dieser Phase versuchte ich, meinen Intellekt in seiner Aktivität zu bremsen, um mehr Aufmerksamkeit auf das zu wenden, was von Bischof Evert ausströmte. Alle Dinge werde ich hier nicht berichten, doch kann ich beschreiben, was sich durch die Weihestufen veränderte:

Der Energiestrom führt in den Körper hinein und breitet sich als Wärme aus. Bei den folgenden Weihen wandelt sich diese Wärme in seelisches Licht, dass immer zarter wird. Man muss dem Strom dann mit feinerer Aufmerksamkeit nachgehen. Die beiden jüngsten Weihen erzeugten etwas, dass ich als Auftauchen und Gebundenwerden bezeichnen würde. Das Knien ist für eine intensive Wahrnehmung der Energieströme sehr hilfreich, ja notwendig. Ich verstehe diese Körperhaltung mit zunehmender Sensibilität für das Feinstoffliche immer besser. Und eben diese Körperhaltung ermöglichte mir wahrzunehmen, wie ich mich ohne eigenes Hinzutun auf die Figur des Bischofs zuneigte, bis ich den Stoff seines Gewandes an meiner Stirn spürte. In dieser Haltung hätte ich lange bleiben können. Ich fühlte mich in dieser Nähe sehr wohl, und es war fast schon traurig, als ich mich wieder aufrichten musste.

Die Weihe zum Lautusen beinhaltet auch das Überreichen eines Schwertes und eines Buches. Als ich diese beiden Werkzeuge in die Hände gelegt bekam, war es wie ein sogenanntes Aha-Erlebnis. Diese Gegenstände waren das, was ich in den letzten Monaten als unsichtbare Helfer bereits mit mir herumgetragen hatte, um die nötigen seelisch-geistigen Vorarbeiten zu leisten, die mich bis zu diesem Punkt geführt hatten. Ich hatte den Eindruck, als öffneten sich meine Augen ein Stück weiter, obwohl ich physisch keine Veränderung spürte.

 

 

Ehrlicherweise muss ich sagen, dass die Akolythenweihe sich erst fühlbar bemerkbar machte, als ich einige Stunden nach der Eucharistiefeier gemeinsam mit meiner Tochter unsere Kapelle aufräumte. Als alle liturgischen Möbel aus dem Raum getragen und die Rollläden bereits heruntergelassen waren, standen wir in diesem nun dunklen Raum, und meine Tochter wollte unbedingt das Licht anschalten, um noch einmal alles zu inspizieren. Ich bat sie, es nicht zu tun, damit wir uns in eben dieser Dunkelheit in der Mitte des Raumes mit einem „Danke“ verabschieden könnten. Mit geschlossenen Augen sprach ich langsam den Dank. Dennoch verharrte ich mit geschlossenen Augen und formte aus den gefalteten Händen vor mir ein Herz. Plötzlich wurde es hell, und einen Augenblick später wollte ich noch mit geschlossenen Augen meine Tochter ermahnen, sie solle doch das Licht wieder ausschalten. Als ich die Augen öffnete, war der Raum immer noch dunkel, und sie stand still neben mir. Das Licht, das mir bei der Akolythenweihe von Bischof Evert in die Hände gegeben wurde, leuchtet nun im Innern.