Liturgie und Heilige Schrift

Liturgie

Die LKK verwendet eine revidierte Liturgie in der Landessprache, in welcher die wesentlichen Merkmale der verschiedenen sakramentalen Formen mit peinlicher Sorgfalt beibehalten sind, doch ist der vorherrschende Ton, der eines hingebungsvollen und freudigen Emporstrebens. Durch die ganze Liturgie zieht sich das Bestreben, den Priester und die Gemeinde kein Gefühl zum Ausdruck bringen zu lassen, das nicht ehrlich und aufrichtig gemeint sei, oder von dem man nicht vernünftigerweise erwarten könnte, dass es auch zur Tat werde. Die Furcht vor Gott und seinem Zorn, die Verwünschungen gegen die Heiden, die Gewohnheit sklavischen Kriechens und verächtlicher Selbsterniedrigung, das oft wiederholte Flehen um Gnade und die naiven Versuche mit Gott zu feilschen und andere primitive Überreste aus dem Zeitalter des judaistischen Staates, zusammen mit der beständigen Furcht vor ewiger Verdammnis, dies alles ist aus dem Ritual ausgeschieden worden, weil es sowohl der Idee eines liebenden Vaters widerspricht als auch die Menschen entwürdigt, die ER nach seinem Ebenbilde geschaffen hat. Denn während die wesentlichen Wahrheiten der Religion unveränderlich sind, muss die Darstellung und die Fassung jener Wahrheiten sich in eben dem Maße ändern, wie die Menschheit zu höherer Erkenntnis fortschreitet. Flehende Gebete und Formen der Bitte, die für die Ackerbau treibenden Gemeinwesen Kleinasiens in den ersten Jahrhunderten christlicher Zeitrechnung angemessen waren, können in keiner Weise für die heutigen Gefühle der Verehrung den passenden Ausdruck bilden. Dasselbe gilt für mittelalterliche Formen.

 

Heilige Schrift

Die LKK lehrt, dass die Heilige Schrift nicht Wort für Wort oder durchwegs inspiriert sei, sondern dass sie dies nur in einem allgemeinen Sinn ist. Sie meint, dass sie vieles enthält, was wirklich das Ergebnis göttlicher Inspiration ist, dass aber mit diesen wörtlichen wahren Dingen andere vermischt sind, die allegorisch und im geistigen Sinn verstanden werden müssen, wie auch Stellen, welche phantastisch oder geradezu unerbaulich sind. Sie erkennt, dass die Bücher des Alten Testamentes sehr ungleich in ihrem Wert sind. Sie möchte ferner nahe legen, dass es Beweise höchster Inspiration auch in anderen Heiligen Schriften in der Welt gibt. Tatsächlich wirft die Kenntnis der Religionen und Seelenlehre des Ostens, die in steigendem Maße für uns zugänglich geworden ist, eine große Flut von Licht auf die Auslegung der christlichen Lehre.