Geschichte: Ein General der polnischen Armee wird Priester der Liberal-Katholischen Kirche

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Ein Beitrag von Revd Leopold Weldon, Ordenspriester einer keltisch liberal-katholisch monastischen Gemeinschaft

Michal Tokarzewski-Karaszewicz, ein Zwei-Sterne-General der polnischen Armee wurde am 5. Januar 1893 in Lwow (heutige Ukraine) geboren. Bereits in seiner Jugend angagierte er sich politisch und 1911 während einer Demonstration  wurde er lebensgefährlich schwer verletzt. Nach einer wundersamen Heilung konnte er 1913 sein Studium der Jura und der Politologie in Lwow beginnen. Sein Studium setzte er dann in Krakau fort. Parallel zu seinem Studium begann er 1913 seine militärische Offiziersausbildung. Als österreichisch-ungarischer Staatsbürger wurde er in deren Armee einberufen wo er Offizier geworden ist. Seit 1914 war er Mitglied der Polnischen Legione und seit dem kämpfte er für die Unabhängigkeit Polens. 1919 wurde er Oberst und 1924 wurde er von dem Präsidenten der Republik Polen Stanislaw Wojciechowski und dem Militärminister General Wladyslaw Sikorski zum General ernannt. Somit wurde er zu den jüngsten General der damaligen Polnischen Armee.

Während des Zweiten Weltkriegs kämpfte er für unterschiedliche polnische Armeen, zuletzt als Stellvertreter des Generals Anders. Nach dem Krieg entschied er sich im Exil in Großbritannien zu bleiben wo er auch aktiv für die Polnische Exilemigration tätig war. 1954 wurde er durch die Polnische Exilregierung in London zum General-Inspektor der polnischen Armee in Exil genannt. Sein aktives Engagement für die polnische Emigration führte auch dazu daß in London eine polnische Universität gegründet wurde unter deren Leitung auch das polnische Exil-Gymnasium Seminaire Polonais de Paris stand, in dessen Internat ich das Glück hatte in den 80er Jahren 5 Jahre lang zu leben und zu lernen und dort auch mein Abitur zu machen.

General Tokarzewski-Karaszewicz verstand sich selbst als Sozial-Demokrat. Aber sein Privatleben war von einen enormen Interesse an der Spiritualität geprägt. Insbesondere war er an der Theosophie sehr begeistert. Schon früh war er mit der römisch-katholischen Kirche wegen vielen Aspekten unzufrieden und distanzierte sich von ihr immer mehr. Bereits seit 1921 war er Mitglied der Freimaurerei in Wilno aber schließlich fand er in der Theosophie seine philosophische Heimat. Durch sein Engagement wurde 1925 in Warschau die co-freimaurerische Obedienz des Ordens „Droit Humain“ gegründet, die sowohl Männer als auch Frauen versammelte. Durch die Theosophie wurde er zum überzeugten Vegetarier was unter den polnischen Soldaten eine Rarität war. Gewaltlosigkeit war ein wichtiger Bestandteil seiner Ethik auch als Soldat, und Gewalt stets nur ein Weg der Ultima Ratio. Durch die Theosophie begegnete er schließlich der Liberal-Katholischen Kirche von der er sofort so begeistert war, daß er ihr Anfang 1925 beitrat und somit auch in ihr seine religiöse Heimat fand. Durch die Begegnung mit der Liberal-Katholischen Kirche erweckte sich in ihm plötzlich auch die priesterliche Berufung und als überzeugter Vegetarier, Nicht-Raucher und Abstinenzler (Voraussetzungen für die Höhere Weihen in der damaligen Zeit der LKK) erfüllte er bereits Erwartungen, die viele nicht erfüllen konnten. Nach einer intensiven Ausbildung in der pastoralen Theologie der Liberal Katholischen Kirche wurde er bereits am 14. November 1926 persönlich vom Seligen Bischof James Ingall Wedgwood in Warschau zum Priester geweiht. Verheiratet war er mit Julia Kondziollow-Kamecka, mit der er zusammen eine Tochter hatte.

Der Liberal-Katholischen Kirche und der Theosophie ist er bis zum Ende seines Lebens treu geblieben. Am 22. Mai 1964  hat er im Alter von 72 Jahren seinen irdischen Körper in Cassablanca in aller Ruhe und Gelassenheit verlassen und ist in das Himmlische Reich Gottes hinübergegangen. Ursprünglich wurde seine Asche in Canada beerdigt, aber 1992 wurde seine Urne nach Warschau gebracht und auf dem Friedhof Powazkowski bestattet.